Patrick, 31 Jahre

«Mit Gebärden und Körpersprache kommunizieren: FaceTime bietet mir eine tolle Möglichkeit.»

Beim Kommunizieren gibt es viele Unterschiede. Das habe ich gemerkt, als ich zum ersten Mal auf hörende Kinder traf. Vorher hatte ich das Gefühl, ich sei normal. Ich bin als Gehörloser bei gehörlosen Eltern aufgewachsen. Von Kindheit an habe ich in der Familie gebärdet. Immer noch ist Gebärdensprache meine Erstsprache. Ich nehme Geräusche nur vereinzelt und sehr vage wahr. Musik spüre ich durch Rhythmus und Bewegung. Ich kann erkennen, dass Töne tiefer oder höher werden.

«Geräusche, Lärm, Musik versuche ich, mir vorzustellen. Ich weiss nie, wie sie wirklich tönen.»

Als ich durch Südeuropa gereist bin, habe ich erkannt, dass es dort einfacher ist, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Südeuropäer, wie Italiener, Spanier oder Griechen setzen ihre Körpersprache viel mehr ein, um sich zu verständigen. Für uns Gehörlose spielen Mimik und Gestik, Haltung und Bewegung ebenso eine grosse Rolle.

Meine Lehrstellensuche als Konstrukteur war schwierig. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben und viele Absagen erhalten. Die IV wollte, dass ich mir eine einfachere Lehrstelle suche. Ich habe mein Ziel weiterverfolgt, allein gesucht und nach einiger Zeit eine Ausbildung als Konstrukteur gefunden. In diesem Beruf arbeite ich immer noch.

In meiner Freizeit habe ich verschiedene Hobbies. Ich gehe gerne mit meinen Freunden ins Kino. Das wird immer schwieriger. In den letzten Jahren werden immer mehr Filme synchronisiert. Damit verschwinden die Untertitel und meine Chance, nah an der Welt der Hörenden zu sein.

«Ich wünsche mir, dass Menschen mir eine Chance geben, mich als Mensch kennenzulernen.»

Wenn ich mit meinen Freunden gebärde, werden wir oft angegafft. Wenn ich alleine bin, werde ich erst einmal als Mensch wahrgenommen. Erst wenn ich angesprochen werde, sind Hörende überrumpelt und nervös und die Konversation ist gleich vorbei. Ich denke, es gibt verschiedene Gründe für ihr Verhalten: Entweder sie wissen nicht, wie man mit mir sprechen soll, sind überfordert und haben Angst vor Ungewohntem. Oder sie wollen generell nichts falsch machen, sind bequem und wollen sich keine Mühe geben. Dann suchen sie sich den einfacheren Weg und beginnen ein Gespräch mit einer Person, die vielleicht neben mir steht und hörend ist.

«Mit FaceTime kommuniziere ich auch unterwegs. Ich bin damit weltweit mit Gehörlosen in Kontakt.»